Remondis

Verwaltungsgebäude der Rethmann-Gruppe, Lünen

Branche: Entsorgungswirtschaft, Kreislaufwirtschaft
Jahr: 2025
Leistungen: Beratung, Lichtplanung, Leuchtenbeschaffung, Sonderleuchten (BOND Bespoke Lighting), Installation (G+D Elektrotechnik)
Architektin: Anja Freck-Hübner

Wenn das Licht den Bestand respektiert: Die Neuinszenierung eines historischen Verwaltungsbaus

Gute Lichtplanung im Bestand beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und der Bereitschaft, sich den Zwängen des Vorhandenen zu unterwerfen, ohne auf Exzellenz zu verzichten. Im historischen Verwaltungsgebäude der Rethmann-Gruppe im Lippewerk Lünen, dem operativen Herz eines weltweit agierenden Konzerns mit rund 46.000 Mitarbeitern und 13,2 Milliarden Euro Jahresumsatz, war genau das die Aufgabe: Einem denkmalwürdigen Bau aus der Zeit des ehemaligen Aluminiumwerks durch Licht eine neue Qualität zu geben – ohne seine Substanz anzutasten.

 

Das viergeschossige Verwaltungsgebäude, einst Sitz der Werksverwaltung und heute Zentrum der Unternehmensgruppe, ist um ein großzügiges Atrium organisiert. Laubengangartige Flure erschließen auf jeder Etage die umliegenden Büros, während über verglaste Dachflächen Tageslicht in den Innenhof fällt. Doch die vorhandene Beleuchtung war dieser architektonischen Qualität längst nicht mehr gewachsen: Die alten Deckenleuchten erzeugten ein ungleichmäßiges, von harten Schatten durchbrochenes Wandbild. Die oberen Wandbereiche waren überstrahlt, die unteren Zonen fielen ins Dunkel ab, und die Laufflächen blieben nahezu unbeleuchtet. Der Gesamteindruck stand in deutlichem Widerspruch zur Bedeutung des Hauses.

 

Die zentrale Herausforderung lag in der unveränderbaren Infrastruktur: Kabelauslässe durften nicht versetzt, Decken nicht aufgestemmt, die Substanz nicht angetastet werden. Jede neue Leuchte musste exakt an der Position der alten montiert werden – und dennoch ein grundlegend anderes Ergebnis liefern. Die Lösung fand sich in der XAL Unico Q4, einem Deckenaufbau-Downlight mit hochpräziser Linsentechnik. Durch die Kombination zweier Lichtverteilungen – ein Wallwasher-Anteil für die homogene Wandaufhellung und zusätzliche Linsen für eine linienförmige Fußbodenausleuchtung – konnte von den identischen Montagepunkten aus eine vollständig neue Lichtqualität erzielt werden.

Doch die bloße Produktauswahl allein hätte nicht genügt. Die kassettierten Decken mit ihren tief heruntergezogenen Betonunterzügen hätten auch bei neuen Leuchten unweigerlich Schlagschatten auf die Wandflächen geworfen. Hier übernahm BOND Bespoke Lighting eine Schlüsselrolle: Für jede Leuchte wurde ein individuelles Gehäuse konstruiert, das die Lichtaustrittshöhe millimetergenau an die jeweilige Deckenkassette anpasste. Das Licht beginnt nun exakt dort, wo der Betonunterzug endet und fließt von dort homogen über die gesamte Wandfläche bis zum Fußboden. Erst diese Feinjustierung, die Verbindung aus sorgfältiger Lichtberechnung in DIALux und handwerklicher Präzision, macht den qualitativen Unterschied sichtbar.

 

Da eine Neuverkabelung des gesamten Gebäudes ausschied, wurden sämtliche Leuchten mit Casambi-Vorschaltgeräten ausgestattet. Die funkbasierte Steuerung ermöglicht es, Lichtszenen zu definieren und die Beleuchtungsniveaus adaptiv an Tageszeit und Nutzung anzupassen – ohne einen einzigen Meter neuer Leitung in den Bestandsdecken. Eine technisch elegante Lösung, die maximale Flexibilität bei minimalem Eingriff bietet.

 

Über die Flurbeleuchtung hinaus erhielt auch das repräsentative Treppenhaus eine umfassende Neuinszenierung. Auf den Treppenpodesten fertigte BOND individuelle Wandleuchten aus hochglanzpoliertem Edelstahl mit Riffelglas, die den Charakter der 1920er-Jahre-Architektur aufgreifen und zugleich zeitgemäße Lichttechnik integrieren. An den bestehenden Handläufen wurden eigens konstruierte Profile mit integrierten LED-Bändern ergänzt, die eine gezielte Ausleuchtung der Treppenstufen gewährleisten. Hierfür wurden als einzige Maßnahme neue Leitungen verlegt.

 

Die Umsetzung erfolgte in einem konzentrierten Zeitfenster: Nach dem Startschuss Anfang Dezember wurden die alten Leuchten demontiert, provisorische Beleuchtung installiert, die Decken malerisch vorbereitet und die neue Beleuchtung bis zum Monatsende vollständig eingebaut. Was als Anfrage der Architektin an das Lichthaus begann, mündete über eine strukturierte Bemusterung vor Ort, bei der die lichttechnischen Vorteile der neuen Lösung sofort überzeugten, in einen zügigen Entscheidungs- und Realisierungsprozess.

 

Das Besondere dieses Projekts liegt nicht im großen Gestus, sondern in der Präzision des Details. Es ist die Art von Lichtplanung, deren Wirkung sich erst auf den zweiten Blick erschließt: Keine spektakulären Leuchtobjekte, kein inszenierter Wow-Effekt, sondern die stille Verwandlung eines Raums durch technische Sorgfalt und gestalterisches Fingerspitzengefühl. Die Wände sind gleichmäßig ausgeleuchtet, die Laufflächen klar definiert, die Architektur wird lesbar, wo sie vorher im Schatten verschwand. Dass sowohl die Bauherrin – selbst Architektin – als auch die planende Architektin von der erzielten Qualität überrascht waren, bestätigt, wie sehr die gezielte Auswahl von Produkten mit spezifischen lichttechnischen Fähigkeiten ein Ergebnis ermöglicht, das über das Erwartbare hinausgeht.

 

Ein Projekt, das exemplarisch zeigt: Herausragende Lichtplanung im Bestand bedeutet nicht, Kompromisse zu akzeptieren, sondern innerhalb der gegebenen Grenzen Lösungen zu finden, die keine Kompromisse erfordern.

Vorher / Nachher

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