Assmann gruppe
Firmensitz, Münster
Branche: Bau und Architektur
Jahr: 2025
Leistungen: Beratung, Lichtplanung, Leuchtenbeschaffung, Installation (G+D Elektrotechnik)
Architekt: Heupel Architekten (LP1 bis 5)
Wenn Architektur das Licht bestimmt: Die Inszenierung eines Büroumbaus
Gute Lichtplanung beginnt mit Zurückhaltung. Im neuen Münsteraner Headquarter der Assmann-Gruppe Assmann – einem kernsanierten und um ein Geschoss in Holzrahmenbauweise aufgestockten Altbau am Kardinal-von-Galen-Ring – wurde dieser Grundsatz zur Maxime. Die Aufgabe: Auf rund 1.300 m² über zwei Etagen ein Beleuchtungskonzept zu entwickeln, das die hochwertige Architektur von Heupel Architekten konsequent unterstützt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Was als Anfrage für einzelne Highlights begann, wuchs organisch zu einer umfassenden Lichtplanung, die am Ende sämtliche Bereiche umfasste: vom Empfang über den zweigeschossigen Luftraum bis zur Dachterrasse.
Der Kontakt entstand über das Materna-Projekt: Johannes Baenisch, Projektleiter bei Assmann und ehemaliger Bauleiter beim Dortmunder Headquarter, kannte die Arbeitsweise des Lichthauses und suchte für die neuen Büroräume zunächst gestalterische Impulse für einige repräsentative Bereiche. Aus den ersten Ideen für Empfangstheke und Luftraum entwickelte sich schrittweise ein ganzheitlicher Planungsauftrag, der schließlich Eingangsbereich, Luftraum mit ca. 200 m³ Volumen, Teeküchen auf beiden Etagen, Sozialraum mit Küchenbereich (ca. 48 m²), Konferenzräume, Geschäftsführerbüro, Flure auf beiden Etagen, WCs und Duschen, Büros, Außenbereich mit Dachterrasse sowie die gesamte Flurbeleuchtung einschloss.
Die zentrale gestalterische Herausforderung dieses Projekts lag im Spannungsfeld zweier grundverschiedener Deckensituationen: Im unteren Geschoss prägen Abhang- und Betondecken den Charakter, im aufgestockten Obergeschoss dominiert eine sichtbare Holzbalkendecke aus dem Neubau. Trotz dieser konstruktiven Verschiedenheit sollte das Gesamtbild einheitlich und ruhig wirken. Die Suche nach der einen Leuchte, die für beide Situationen funktioniert – in Montage, Proportion und Lichtverteilung – erforderte zahlreiche Bemusterungen und intensive Abstimmungen mit den Architekten. Die Lösung fand sich schließlich in einer Leuchte mit asymmetrisch-ovaler Lichtverteilung, die auf den Fluren eine gleichmäßige, kontrastfreie Aufhellung erzeugt, statt der typischen punktuellen Lichtinseln. Das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand: Die Flure beider Etagen wirken, als gehörten sie selbstverständlich zusammen.
Im Eingangsbereich, der ersten Visitenkarte des Unternehmens, sorgt eine kleinere Variante derselben Leuchtenfamilie für eine gezielte Wandaufhellung. Der Effekt verwandelt einen potenziell dunklen Ankunftsbereich in einen einladenden, hell und offen wirkenden Empfangsraum – ohne dass die Lichtquelle selbst in Erscheinung tritt.
Das gestalterische Herzstück des Projekts bildet das Plus/Minus-System von Vibia. Das 24-Volt-Niedervoltsystem funktioniert über einen biegsamen Textilgurt mit eingearbeiteten Kupferleitern: Die Leuchten werden mittels kleiner Halterungen am Gurt befestigt, feine Kupfernadeln durchdringen das Gewebe und greifen den Strom ab – eine technisch elegante Lösung, die ohne sichtbare Kabel auskommt. Die Vielfalt des Systems ist bemerkenswert: Schwenkbare Spots mit verschiedenen Lichtverteilungen, diffuse Kugelleuchten, Linienleuchten für Arbeitsplatzbeleuchtung und vor allem die Freiheit, jede Leuchte an beliebiger Stelle des Gurtes zu positionieren, ihn straff zu spannen oder tief durchhängen zu lassen. Insgesamt sechs Plus/Minus-Systeme strukturieren die repräsentativen Zonen: drei im zweigeschossigen Luftraum über der Freitreppe, zwei im Sozialraum und eines im angrenzenden Küchenbereich.
Die Installation der Systeme im Luftraum war dabei ein Prozess, der planerische Präzision mit handwerklicher Improvisation verband. Obwohl Grundrisse, Schnitte und detaillierte DIALux-Berechnungen die Mindestanzahl an Leuchten je Segment definierten, fand die endgültige Positionierung vor Ort statt – auf Gerüsten, gemeinsam mit dem Architekten. Für jedes Segment wurden die Leuchten zunächst am Boden ausgelegt, die Verteilung von oben geprüft, dann nach oben gezogen, montiert, verschoben und nachjustiert – bis Lichtplaner, Architekt und Bauherr gleichermaßen überzeugt waren. Das Ergebnis: eine Installation, die aus jeder Blickrichtung stimmig wirkt.
Heupel Architekten formulierten dabei eine klare gestalterische Haltung: Das Licht sollte nichts hinzufügen, sondern nur unterstützen. Alle hochwertigen Materialien – insbesondere die Holzoberflächen des Neubaus – sollten für sich selbst wirken. Als das Lichthaus zunächst eine indirekte Routenbeleuchtung über profilierte Deckenverbreiterungen vorschlug, lehnten die Architekten ab: Bereits fünf Zentimeter zusätzliche Breite an der Untersicht waren ihnen zu viel. Einzig die Plus/Minus-Systeme durften als bewusst gesetztes, eigenständiges gestalterisches Statement auftreten – präzise dort, wo Architektur und Licht in einen sichtbaren Dialog treten sollten.
Für die 33 Büroarbeitsplätze fiel die Wahl auf Stehleuchten von XAL (Xenon Architectural Lighting) aus Graz, ausgestattet mit der Bartenbach-Linsentechnik und einer kombinierten direkt-indirekten Lichtverteilung. Entscheidend war die Integration von Präsenz- und Tageslichtsenoren: Die Leuchten aktivieren sich automatisch beim Betreten des Büros, messen das verfügbare Tageslicht und regeln auf ein konstantes Beleuchtungsniveau. Der Bauherr wünschte sich eine kompromisslos einfache Bedienung: 100 % Licht beim Betreten, Abschalten nach Verlassen, kein manueller Eingriff durch Mitarbeiter. In enger Abstimmung mit XAL konnte genau dieses Verhalten programmiert werden. Auch die Planung der Leuchtenfüße erforderte Sorgfalt: Je nach Tischtyp mussten T-, U- oder H-Fuß evaluiert werden, damit jede Leuchte stabil und integriert am Arbeitsplatz steht.
Ergänzt wird das Konzept durch Tal-Downlights in den Sanitär- und Nebenbereichen – dieselben blendfreien Leuchten mit indirekter Lichtverteilung, die sich bereits im Yogaraum des Materna-Headquarters bewährt hatten. Im Obergeschoss kamen zusätzlich Vibia-Deckenhalbeinbauleuchten in den Teeküchen zum Einsatz, die optisch an das Plus/Minus-System anknüpfen.
Die Projektlaufzeit erstreckte sich über mehr als ein Jahr – von Dezember 2024 bis zur finalen Inbetriebnahme. Was als punktuelle Beratung begann, mündete in die Lieferung und Installation von rund 100 Deckenleuchten, sechs Plus/Minus-Systemen und 33 Stehleuchten für eine Gesamtfläche von ca. 1.300 m². Sämtliche Leuchten sind DALI-fähig und damit zukunftssicher steuerbar.
Der Erfolg des Projekts zeigt sich nicht zuletzt in der Reaktion der Beteiligten: Die Architektin von Heupel rief nach Fertigstellung an, um ihre Begeisterung über das Ergebnis mitzuteilen. Die intensive Abstimmungsarbeit habe sich in jedem Detail ausgezahlt. Bereits wenige Wochen nach Abschluss folgte die nächste Anfrage von Heupel Architekten: eine gebogene Routenbeleuchtung für ein neues Projekt. Der Beweis dafür, dass sich langfristiger Beziehungsaufbau durch exzellente Arbeit nicht erzwingen lässt, aber unweigerlich entsteht, wenn Planung, Gestaltung und Umsetzung aus einem Guss sind.